„Anti sein“ reicht nicht

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Amerika ist nach diesem Wahlkampf, nach dieser überemotionalisierten Schlammschlacht, gespalten. Entgegen der Annahme Donald Trump würde von Hillary Clinton geschlagen werden, erreichte der Republikaner in der vergangenen Wahlnacht die notwendige Mehrheit. Wie jüngst nach dem Brexit macht sich heute eine Katerstimmung breit. Zwischen Fassungslosigkeit und Zynismus bedauert man die Wahl des Rassisten, der eine Mauer auf Kosten Mexikos ziehen lassen will. Ganz heimlich und doch so offensichtlich wird sich eine trump’sche Apokalypse gewünscht.
 
Viele glauben, dass sie ihre Anti-Trump-Haltung schon human macht, aber ist es doch so, dass den populistischen Forderungen des Donald Trump nur durch die Zustimmung seiner Gefolgschaft Gehör verschafft wurde. Das Gedankengut und seine Gefolgschaft waren schon vorhanden, bevor Trump es auf krude Art und Weise ausgesprochen hat. Nicht nur in Amerika sind politische und gesellschaftliche Dynamiken entstanden, die postfaktische und emotionalisierte Debatten salonfähig machen. Jeder ist ein Teil davon. Die Dummheit der anderen ist kein Freispruch von der eigenen Verantwortung. „Anti sein“ allein reicht nicht. Noch immer werden Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer Sexualität oder ihrer Herkunft diskriminiert. Tagtäglich, überall auf der Welt. Dass man dagegen ist oder es zumindest nicht gutheißt, ist eigentlich klar. Einen US-Präsidenten abzulehnen, der all die Ungerechtigkeiten in einer Person eint, ist auch klar. Doch ist es nicht damit getan, den Zeigefinger zu erheben, weil kurz die hässliche Fratze der Menschlichkeit zutage getreten ist. Die Welt geht nicht unter. Und vermutlich werden solche, die Trump aus einer rassistischer Motivation heraus gewählt haben, schwer enttäuscht sein.
Die Bundestagswahl nächstes Jahr wird ebenso spannend wie emotional. Jeder hat eine Stimme und das meine ich auch mit Bezug auf die Wählerstimme. Populisten können nicht nur ihr Gefolge verblenden, sondern auch ihre Gegner und das ist der Dung, auf dem Politiker wie Donald Trump entstehen und groß werden.