Komfortzone verlassen

Lange Zeit hatte man als Bürger eines Landes in Europa das Gefühl, niemand könne uns etwas anhaben. Wir lebten in einer Sicherheitsblase, die über all den Grausamkeiten dieser Welt schwebt und zuschaut, nicht fähig, Einfluss zu nehmen. Das ist einerseits tragisch, andererseits haben wir uns in der Komfortzone sehr wohl gefühlt. Es war gar nicht notwendig, besonders politisch zu sein, weil ja alles im Lot war. Natürlich hat man sich hin und wieder über zu hohe Steuern oder Mängel in der Bildung beschwert, aber im Großen und Ganzen schien Europa die Sonne aus dem Arsch. Bilder von hungernden Kindern haben uns bewegt, aber genau so wie der Tod des Nachbarhundes. Im Nachhinein scheint mir das einstige Europa wie eine dieser Vorstadtserien, mit perfekt gestutzten Hecken und fröhlichen Familien, während im Untergrund Mord und Totschlag herrscht.

Die rosigen Zeiten sind nun vorbei, es ist Bewegung reingekommen. Die Welt dreiteilen zu wollen, funktioniert nicht mehr. Die Mauer zwischen erster und dritter Welt ist gefallen, die Blase geplatzt. Fast täglich erreichen uns Schreckensnachrichten in und um Europa. Jüngst Terroranschläge in Istanbul, Bangladesh, Bagdad, im Libanon, Jemen, in Orlando, Nizza, gleichzeitig ertrinken Flüchtlinge im Mittelmeer, Großbritannien verlässt die EU und innere Konflikte zwischen den Extremen schwächen den Einheitsgedanken. Und weiter hungern und dursten Menschen in Afrika, Textilfabriken stürzen ein, Bürgerkriege fordern unschuldige Menschenleben. Da habe ich ein schlechtes Gewissen meine westlichen Privilegien  “einfach weiterzuleben”, “mich meiner Freiheit nicht berauben zu lassen”. Es ist purer Zufall, in welchem Land man geboren wird. Es ist pures Glück, dass ich in Deutschland geboren wurde. Ich habe nicht mehr Anspruch auf Frieden als jeder andere Mensch auf dieser Welt.

Es ist naiv zu glauben, dass Grenzen uns von den Grausamkeiten der Welt abschirmen würden oder präventiv abgeschirmt hätten. Denn auch wir sind Teiltäter und haben zu der Kausalkette beigetragen. Es scheint, dass Einzelne nichts ausrichten können, weil “die Menschen” nun mal so sind. Aber irgendwie kennt nie jemand solch grausame Menschen persönlich. Die Dinge, die auf der Welt passieren, sind nicht zufällig oder aus Versehen, es sind Ergebnisse oder Teile von Kausalketten, zu denen jeder von uns ein wenig beigetragen hat. Und deswegen sind wir ein Teil. Ein Teil vom Ganzen. Es ist unmöglich, sich zu entziehen und in einer Blase weiterleben zu wollen. Das ist Utopie, das ist realitätsfern. Es ist Zeit, umzudenken, falls das nicht schon längst geschehen ist.

Der Mensch stellt sich immer als so mächtig dar, aber wenn es darum geht, etwas zu ändern, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen, dann ist plötzlich alles aussichtslos. Wieso stellen wir keine Fragen, wenn wir nichts verstehen?

22 thoughts on “Komfortzone verlassen

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