Der schlechteste Erzähler der Welt

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Schon mal auf Thunfischsaft ausgerutscht? Ich arbeite viel, so viel, dass ich regelmäßig in Tränen ausbreche, vor Wut, Trauer und Hunger. Diese Woche war wieder besonders ermüdend und langweilig. Das raubt mir jegliche Fantasie, in allen Bereichen. Fragen mich Bekannte nach Kindernamen, sage ich grundsätzlich Horst, egal, ob Junge oder Mädchen. Horst ist universal und vor allem fragt mich danach nie wieder jemand. Ich hasse Kinder, mit denen kann man wirklich keine ordentliche Unterhaltung führen. Beim Kochen werde ich auch furchtbar unkreativ. Moment, ich muss mal eben nach der Pizza schauen, das ist meine letzte.

Wo war ich? In jeder Thunfischdose ist auch ein bisschen Delfin mit drin, 40%, hab ich gelesen. Also hab ich gleich eine Thelfinpizza oder so. Eigentlich könnte man das auch charmant vermarkten: “Thelfin: Thunfisch küsst Delfin.” Gab’s so noch nicht, glaube ich. Diese Werbeleute sind doch so euphemistisch unterwegs und die Journalisten eh. Wäre doch super grausam, ich meine, die armen Delfine. Thunfische sind egal, weil nicht süüß. Jeder, der nicht süüß ist, darf geschlachtet und filetiert werden. Ich finde Angela Merkel ganz und gar nicht süüß. Aber auch allgemein die CDU nicht. Christlich, wer ist denn schon noch christlich? Das ist total unmodern. Ob meine Pizza wohl bald fertig ist, langsam werde ich wütend.

Ich esse die jetzt einfach.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ups, voll eingenickt! Ich hatte aber einen abgefahrenen Verdauungstraum, den muss ich noch kurz erzählen. Irgendwo in Australien, ich kenne nur Sydney, habe ich wie wild Fotos von einem Sonnenuntergang gemacht, als wäre ich gerade frisch gebackener Abiturient. Und dann war da noch so ein Gorilla an einer Lichtung, das war im Dschungel. Ich weiß nur gerade nicht, was das miteinander zu tun hatte. Ähm, vor dem Gorilla hatte ich auf jeden Fall richtig Angst und bin halt logischerweise weggelaufen. Aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr wegzulaufen und wollte ihn verscheuchen, in dem ich eine Banane in die entgegengesetzte Richtung geworfen habe. Der Gorilla hat mich nur irritiert angesehen und fragte: “Was soll das denn jetzt, ich bin bananointolerant!” Es stellte sich heraus, dass er Backpacker war und mich nur zum Tango auffordern wollte. Er reichte mir seine Klaue und sagte, dass Tango eine erlaubte Umarmung mit Unbekannten sei. Dem konnte ich natürlich nicht widerstehen. Hatschi …  hatschi … hatschi. Ich niese immer genau drei Mal. Auf jeden Fall tanzte ich den Rest der Nacht Tango mit dem Gorilla. Er schwelgte in der Nostalgie, der Musik die aus dem Plattenspieler ertönte.

So, nun zurück zur eigentlichen Geschichte. Jury hatte also ein Delfintrauma. Wer Jury ist, muss ich nicht erzählen. Jury ist ein Allerweltscharakter, wenn man ihn nicht kennt, sollte man sich lieber gleich erlegen oder ihn einfach googlen. Ich glaube, Jury war etwa sechs Jahre alt, als er das erste Mal seinen Fuß in irische Gewässer tunkte. Eine folgenschwere Entscheidung, wie sich später herausstellte. Aber erst mal zu seinem Werdegang. Er hatte 3,5 Beziehungen, einmal mit einem Mann, aber das war nur eine halbe Beziehung, weil ja ein entscheidender Teil fehlte, nämlich die Frau. Die Frauen hießen Fanny, Helen und der letzte Name ist mir gerade entfallen. Vermutlich war es ein besonders femininer Name wie Claire. Der Mann hieß Bert und ist bis heute an Jurys Seite. Bestimmt schreit jetzt jemand wie ein Brüllaffe los: “ICH FIND DAS VOLL OK, DASS JURY SCHWUL IST!” Danke für Deine primitive Meinung, gehe bitte sterben! Ich bin sowieso für eine erhöhte Sterbe- und eine geringere Geburtenrate. Es gibt einfach zu viele Arschlöcher. Ich wäre lieber ganz allein auf dieser Welt mit meinem von Konservierungsstoffen aufgeblähten Bauch. Dann würde ich auch nicht mehr furzen. Furzen ist ein so hässliches Wort, ich würde es pusten oder schweben nennen. Ich muss mal eben schweben. Oh, wie schön.

Ich muss mal kurz das Fenster aufmachen. Die Amsel dort hinten sitzt immer dort, glotzt starr in meine Richtung und stößt seltsame Kreischlaute aus. Ich glaube, sie möchte meine Eier begatten. Das erinnert mich an eine Frau, die mal bei mir zu Besuch war. Wir hatten uns im Supermarkt kennengelernt: “Hey, bist Du nicht Laura? Nein, Kim. Hallo Kim, du siehst aus wie eine Laura. Dann nenne mich doch Laura. Was ist mit Kaura? Ok. Lust auf Wassermelone, Kaura?” Am darauffolgenden Wochenende besuchte Kaura mich in meiner 1-Zimmerwohnung, vielleicht gilt sie auch faktisch wegen des Ankleidezimmers als 2-Zimmerwohnung. Wir saßen am Fenster, uns lief der Saft von Wassermelone am Kinn hinunter und Kaura spuckte die Kerne in ihre klebrige Hand. Jetzt wird mir doch etwas kalt und der Spatz bringt mich um den Verstand.

So, Jury war also homosexuell, was völlig unerheblich für die Geschichte ist. Denn das traumatische Erlebnis ereignete sich bereits, als Jury etwa sieben Jahre alt war. Aber zunächst zu seiner Kindheit. Jury war in Irland geboren, entweder an der Westküste oder doch in England, und lebte dort bis er umzog.  Er genoss eine normale bis konservative Erziehung, evangelisch, wenn mich nicht alles täuscht. Seine Eltern schlugen ihn nur manchmal und seine sexuelle Identität begann ihn erst mit Anfang Zwölf zu verwirren. Ganz sicher bin ich mir dessen nicht, ich hab ihn ja nie getroffen und es aus seinem Mund gehört. Ich treffe selten einfach so Menschen, die mir aus ihrem Leben erzählen. Und wenn es mal so gewesen wäre, habe ich in dem Moment wohl nicht zugehört. Ich kann nämlich nicht zuhören, daher hat es auch mit Kaura nicht geklappt. Es war viel schöner, wie ihr der Saft am Mund hinuntergelaufen ist, als ihre gesprochenen Worte. Vermutlich hatte sie von Kants Weltbürgertum geschwärmt oder von dem Fahrradreifen, der vor ihrem Fenster im Baum hing, berichtet. Aber mit Gewissheit kann ich es nicht sagen. Unsere triefende Liaison scheiterte also, weil ich nicht wusste, wo sie hingegangen war. Eines Tages war ihre Wohnung leer und die Fenster offen. Ich hätte ihr zuhören sollen, dann wüsste ich jetzt, wo sie wohnt. Möglicherweise hätte ich mit ihr kommen können und wir würden uns jeden Tag auf Madagaskar in unserer Rum-Produktion besaufen. Mal würde sie aus meinem Bauchnabel trinken, mal ich bei ihr. Ich bin mir sicher, dass sie nach Madagaskar gegangen war, das passt irgendwie. Ihr etwas zu sehr alternativ gebundener Dutt, ihre schönen, aber kräftigen Hände, die gut zum Buddeln geeignet gewesen wären, und der leicht gespitzte Mund, als wäre er zum Französisch sprechen gewachsen. Ach, im Grunde war es nur irgendeine Frau aus dem Supermarkt, der ich einen neuen Namen gegeben hatte. Eigentlich konnte ich sie nicht mal richtig ausstehen. Ich sollte nicht melancholisch werden, das steht mir nicht. Wenn eine androgyne Mittzwanzigerin mit Zigarette und Oversize-Shirt auf dem ungemachten Bett sitzt und melancholisch aus dem Fenster schaut, ist das cool, modern, es ist so sexy. Eben dieses Szenario mit mir und man  möchte den Raum von negativen Schwingungen reinigen und mir einen „Du schaffst das“-Flyer zuwerfen. Apropos Zigarette, ich rauche mal eben eine. Ich drehe selbst, aber nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil ich gerne Dinge drehe. Wenn ich das erste Mal in einer fremden Wohnung bin, drehe ich Figuren, Bilder oder im Rollstuhl sitzende Rentner heimlich um. Viele Leute wissen nicht mal, wie rum ihre Sachen standen und sind dann furchtbar verwirrt, weil ihre Erinnerung an die Richtung der Dinge verschwommen ist. Dieser Blick ist unbezahlbar, versucht das mal.

Nun, Jury raucht nicht, aber das ist nicht Teil der Erzählung. Jury mochte es im Meer zu schwimmen, wenn ihm das salzige Wasser die Nase freispülte und er sich die Algen aus der Unterhose ziehen musste. Er hatte mit vier Jahren begonnen zu schwimmen und mit sechs Jahren aufgehört. Denn dann ereignete sich ein traumatisches Erlebnis, das es ihm fortan unmöglich machte, unbefangen im Meer zu schwimmen. Ich hatte bereits von Delfinen erzählt. Ich halte nicht viel von Delfinen. Erst mal vergewaltigen die sich gegenseitig, indem sie ihren Penis in das Luftloch eines anderen stecken und dann eben diese Geschichte mit Jury, von der ich gleich erzählen werde. Also Jury war gerade sieben Jahre alt geworden und wollte den Tag an seinem liebsten Ort verbringen. Warte, mein Blick schweift gerade zur Uhr. Es ist schon ein Uhr. Ich weiß, die Geschichte. Aber morgen muss ich halt  wieder früh raus, ich erzähl es einfach schnell, ok? Also Jury ist im Atlantik, glaub ich, schwimmen gegangen und da gibt es so richtige Killerdelfine. Ich sag ja, ich halte nichts von Delfinen. Auf jeden Fall kam der Delfin zu dem kleinen Jury und täuschte vor, mit ihm spielen zu wollen. Und weil Delfine ja immer romantisiert werden, ist Jury zu ihm geschwommen. Der Delfin nahm ihn auf die Schnauze und drückte ihn auf das Meer hinaus. Als sie außer Sichtweite waren, begann der Delfin Jury unter Wasser zu drücken.  Glücklicherweise hatte Jury eine Schwimmbrille auf, sodass er es irgendwie schaffte den Delfin von sich zu drücken und irgendwann gerettet wurde.

Uahh, so oder so ähnlich hat sich die Geschichte zugetragen. Mit Gewissheit kann ich das nicht sagen, da es eine erzählte Erzählung ist, die ich von einem Iren auf meiner Reise in Australien erzählt bekommen habe.  Er sprach sehr schlechtes Englisch und eigentlich habe ich ihm auch gar nicht zugehört.

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